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Wirtschaftsjunioren - junge und dynamische Unternehmer? von Christian von Drigalski
Wenn man sich unter diesem „abgegriffenen“ Schlagwort überhaupt etwas vorstellen kann: was unterscheidet diese - in den neuen Bundesländern zumeist kleine und daher unbekannte - Gruppe von diversen anderen Unternehmerzusammenschlüssen und -stammtischen?
Vom "satzungsgemäßen" Selbstverständnis her engagieren sich Unternehmer, Selbständige und Führungskräfte/Leitende Angestellte bis zum Alter von 40 Jahren ehrenamtlich für die gesellschaftliche Akzeptanz unternehmerischen Handelns mit der Verpflichtung zu sozialer und ökologischer Verantwortung. Hierfür arbeiten die Junioren in Arbeitskreisen rund um die Kernressorts "Schule/Wirtschaft", "Existenzgründung/Existenzsicherung" und „Internationales“. Die bundesweit etwa 11.000 Mitglieder sind derzeit über 200 Kreisen und 12 Landesverbänden organisiert. Die Geschäftsführung der Kreisverbände nimmt in der Regel die jeweilige IHK wahr. Die Geschäftsführung der Wirtschaftsjunioren Deutschland liegt beim DIHK. Durch die Mitgliedschaft der Wirtschaftsjuinioren Deutschland bei Junior Chamber International ist die Einbeziehung in ein gleichgesinntes, internationales Netzwerk inklusive regelmäßigen Kontakten gesichert.
Von diesen Leitgedanken angeregt, unterstützt durch die IHK und deren Partnerkammer Heilbronn gründeten Anfang 1992 rund 30 junge Unternehmer aus dem gesamten Kammerbezirk die „Wirtschaftsjunioren Frankfurt (Oder)“. Nachdem anfänglich naturgemäß Existenzgründung/-sicherung die Aktivitäten dominierten, wurde später der Kontakt zu Schulen intensiviert: die alljährliche Organisation von Ausbildungstagen sowie von Unternehmens-Quiz in Schulen für Schulabgänger prägen seit 1998 die Inhalte. Daneben gehören Betriebsbesichtigungen, Besuch von nationalen und internationalen Konferenzen, Führungsseminare, aber auch rustikale und anspruchsvolle gesellschaftliche Events zur Abrundung der breit gefächerten Aktivitäten.
Diese inhaltliche Arbeit, die zeitlich und ideell ein gewisses Maß an Flexiblität sowie ausgeprägtes Verständnis für ein „Ehrenamt“ erfordert, hat aber auch Schattenseiten: nach einem rasanten Anstieg bis auf rd. 60 Mitglieder in 1995 waren die Folgejahre durch stetigen Mitgliederrückgang geprägt. Mittlerweile verzeichnet der Verein wieder einen konsequenten Zuwachs, der insbesondere durch die vorgenannten Projekte erreicht werden konnte. Während die Gründe für den Mitgliederschwund zumeist Betriebsaufgaben sind, gestaltet sich die Gewinnung neuer Mitglieder gerade in den neuen Bundesländern schwierig, •weil die Leitgedanken deshalb schwer vermittelbar sind, als sie ehrenamtliches Engagement erfordern, ohne daß ein unmittelbarer und gar materieller „return“ erfolgt, •weil in den Unternehmen gerade der neuen Bundesländer die Mitglieder-Zielgruppe schwer zu finden ist: das Unternehmen muß Führungskräfte/Inhaber im entsprechenden Alter haben, und zumindest die oben genannte zeitliche Flexibilität für die Juniorenarbeit ermöglichen.
Warum bin ich dabei: die Wirtschaftsjunioren haben mir insbesondere ideell sehr viel gegeben, wobei ich auch viele Möglichkeiten aus dem regionalen, nationalen und internationalen Angebot genutzt habe: a)gerade als „Neu-Ostler“, der erst 1990 aus dem Westen nach Frankfurt gezogen ist, hat es mir der Frankfurter Juniorenkreis, dem ich als Gründungsmitglied bis heute angehöre, wesentlich erleichtert, gesellschaftlich in Frankfurt Fuß zu fassen. Wirtschaftsjunioren sind aus meinem Freundeskreis - inzwischen auch der meiner Frau - nicht mehr wegzudenken. b)die Tätigkeit bei den Wirtschaftsjunioren hat immens zu einer Erweiterung meines Blickfeldes beigetragen: neben unmittelbarem und freundschaftlichem (nicht beruflichem!) Kontakt zu Unternehmern anderer Branchen, dem Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Sichtweisen und Problemen, haben gerade Führungsaufgaben in der Juniorenorganisation (Kreisvorsitzender, Landesvorsitzender, Mitglied im Bundesvorstand) erheblich zu Diskussionsfähigkeit, (Re-)Präsentationsfähigkeit beigetragen und meine Führungs- und Organisationserfahrungen erweitert.
Nunmehr „kurz vor 40“ bedaure ich, diesem Verein - zumindest aktiv - demnächst nicht mehr angehören zu dürfen. Gleichzeitig kann ich nur jedem Unternehmer mit ähnlichen persönlichen Voraussetzungen empfehlen, sich die Chancen dieser Organisation nicht entgehen zu lassen. Aber Achtung: es wird nichts serviert, vielmehr muß man selbst die „Speisen“ zubereiten und stets warmhalten. Dies erfordert höheres Engagement und Ausdauer, als Fertiges nur noch zu konsumieren, und zudem ist es manchmal auch unbequem. Aber auch unbequem sein, sehe ich als positive Eigenschaft!
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